Zu viel und doch nicht genug Wasser

Stakeholder-Workshop fördert den Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis zu Herausforderungen hydrometeorologischer Extremereignisse und stärkt den Dialog über Disziplinen hinweg.

Wie gehen wir mit einer Zukunft um, in der Wasser gleichzeitig im Überfluss und im Mangel auftritt? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt eines Stakeholder-Workshops des Projekts HydroExtremes im Rahmen des Helmholtz-Forums Erde und Umwelt (ehemals SynCom), der am 14. und 15. April 2026 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Praxis zusammenbrachte. Das Projekt wird am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordiniert. Am KIT sind das IMKIFU, das IMKTRO sowie das IWU beteiligt. Darüber hinaus wirken weitere Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft (FZJ, GFZ, Hereon, UFZ und AWI) im Projekt mit und bringen ihre jeweiligen fachlichen Schwerpunkte rund um hydrometeorologische Extreme und das nachhaltige Wassermanagement ein.

Im Zuge des Klimawandels nehmen hydrometeorologische Extreme wie Hochwasser sowie Dürreereignisse deutlich zu. Diese Entwicklungen haben weitreichende Folgen für Gesellschaft, Wirtschaft, Infrastruktur, Ökosysteme und Gesundheit. Der Umgang mit diesen Risiken zählt zu den zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Entsprechend wichtig ist der Austausch zwischen den verschiedenen Akteursgruppen, um tragfähige und umsetzbare Lösungen zu erarbeiten.

Der Workshop bot einen intensiven Rahmen für den Austausch. Es wurden unterschiedliche Perspektiven diskutiert, konkrete Bedarfe benannt und neue Kontakte geknüpft. Kleine, fokussierte Arbeitsgruppen ermöglichten dabei einen direkten Dialog zwischen Akteurinnen und Akteuren aus Politik, Praxis und Wissenschaft.

Ein besonderes Highlight der Veranstaltung waren zwei politische Keynotes, die die Relevanz des Themas aus politischer Perspektive eindrücklich unterstrichen. Steffi Lemke (MdB und ehemalige Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz) betonte dabei die hohe gesellschaftliche Relevanz des Themas Wasser und die Notwendigkeit, sich stärker auf Extremereignisse einzustellen. Wasser sei eine kritische Infrastruktur. Regina Paas und Dr. Britta Ammermüller (beide Referatsleiterinnen im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, BMUKN) stellten die Nationale Wasserstrategie aus Verwaltungssicht vor. Sie betonten, dass ihre Umsetzung ein gemeinsamer Prozess von Bund, Ländern und Kommunen sei. Dabei wurde deutlich, dass sich die zunehmenden Herausforderungen durch Hochwasser, Dürren und Hitzewellen nur durch ein abgestimmtes, sektorübergreifendes Handeln bewältigen lassen – ein Ansatz, der auch in der Nationalen Wasserstrategie verankert ist. 

Im Workshop wurden die zentralen Inhalte des Projekts HydroExtremes entlang der gesamten Prozesskette hydrometeorologischer Extreme betrachtet: von den meteorologischen Auslösern über die hydrologischen Prozesse bis hin zu den Auswirkungen auf Gesellschaft, Infrastruktur und Ökosysteme sowie Fragen der Governance und des Umgangs mit diesen Risiken. Ein Schwerpunkt lag auf dem Entwurf des Syntheseberichts, der auf den Ergebnissen eines vorangegangenen Syntheseworkshops basiert. Der Bericht bündelt bestehende Modelle und Daten in der Helmholtz-Gemeinschaft, identifiziert zentrale Forschungslücken und soll als Grundlage für den weiteren Austausch mit Entscheidungsträgerinnen und -trägern dienen. Gleichzeitig wird verdeutlicht, dass insbesondere innovative Ansätze wie Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen neue Möglichkeiten für die Vorhersage, Analyse und Risikobewertung hydrometeorologischer Extreme eröffnen.

Ein weiteres Format waren Impulsvorträge, in denen Expertinnen und Experten aus Praxis und Wissenschaft aktuelle Forschung und anwendungsnahe Ansätze im Dürre- und Hochwassermanagement im Tandem präsentierten. Im Bereich Hochwasser standen dabei insbesondere neue methodische Entwicklungen im Fokus: Uwe Ehret (IWU/KIT) und Manuel Perschke (Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz) stellten gemeinsam einen Co-Design-Ansatz vor, bei dem ein KI-gestütztes Hochwasservorhersagemodell in enger Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis entwickelt und direkt in operative Warn- und Managementsysteme integriert werden soll (Projekt KI-HopE-De).

Der Workshop hat gezeigt, wie wichtig transdisziplinäre Zusammenarbeit ist, um hydrometeorologischen Extremereignissen wirksam zu begegnen. Die Erkenntnisse fließen nun in die Weiterentwicklung des Syntheseberichts ein und bilden eine Grundlage für den zukünftigen Dialog mit Entscheidungsträgerinnen und -trägern sowie der interessierten Öffentlichkeit.

Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Resilienz – von natürlichen Ökosystemen bis hin zur Gesellschaft.

 

Gruppe von Menschen auf einer Dachterrasse mit Berlin-Skyline im Hintergrund. Forum E&U
Austausch der Workshop-Teilnehmenden auf der Dachterrasse der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (© Helmholtz-Forum Erde und Umwelt).
Zwei Männer (Projektkoordination) bei einer Präsentation vor einer Projektion an der Wand. Susanna Mohr
Eröffnung des Workshops und Einführung in das Projekt HydroExtremes durch die Projektleiter Prof. Dr. Harald Kunstmann (IMKIFU) und Prof. Dr. Peter Knippertz (IMKTRO; © S. Mohr, IMKTRO/KIT).
MdB Steffi Lemke hinter Rednerpult im Rahmen des Workshops. Forum E&U
Steffi Lemke, MdB, betont die hohe gesellschaftliche Relevanz aus politischer Sicht und die Chancen eines abgestimmten und koordinierten Umgangs mit wasserbezogenen Extremen. Wasser sei eine kritische Infrastruktur (© Helmholtz-Forum Erde und Umwelt).
Gruppe von Erwachsenen diskutiert um einen Stehtisch mit Notizen, Whiteboard im Hintergrund. Forum E&U
Kleine, fokussierte Arbeitsgruppen ermöglichten einen direkten Dialog zwischen Akteuren aus Politik, Praxis und Wissenschaft und boten Raum, zentrale Herausforderungen vertiefend zu diskutieren (© Helmholtz-Forum Erde und Umwelt).